autismDas „Puzzle Cafe“ auf den Philippinen räumt mit Vorurteilen gegen Autisten auf

Als das kunterbunt dekorierte Puzzle Café im November in der philippinischen Hauptstadt Manila eröffnete, zog es einige Aufmerksamkeit auf sich. Die Besonderheit? In diesem Café arbeiten Autisten als Praktikanten und werden für ihr weiteres Leben ausgebildet. Unter ihnen ist Canoy, 20 und Autist, für den seine Familie dieses Business überhaupt erst aufgebaut hat. Und nach einem Jahr im Betrieb kann man sagen: Canoy und seine Kollegen machen ihren Job gut!

Aufmerksamkeit auf die Krankheit lenken

Jose Antonio, Canoys älterer Bruder, wollte einen Platz schaffen, in dem nicht nur sein Bruder für sein weiteres Leben ausgebildet wird, sondern wo die Menschen sich auch über Autismus informieren können. Im Laden gibt es Infomaterial genauso wie gezeichnete Bilder und Postkarten, die von Autisten hergestellt wurden.

„Wir sind hier, um den Menschen zu zeigen, dass es nicht schlimm ist, anders zu sein.“ Und in der Tat ist das Puzzle Café anders – erfrischend anders! In den Regalen finden sich Puzzle und andere Spiele, die Tische haben seltsame Formen und die Stühle sind kunterbunt angemalt. Auf einem Tisch steht „Wenn du mich für verwirrend hältst, stell dir mal vor, wie verwirrend die Welt erst auf mich wirkt!“.

Diagnose Autismus, was bedeutet das?

Autismus ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die meist schon im frühen Kindesalter bemerkt wird. Die Betroffenen sind oftmals im sozialen Umgang mit Menschen sehr unsicher, nach innen gekehrt und kommen nur schwer „aus ihrer eigenen Welt“ raus. Veränderungen oder Aufregung können sie in tiefe Verwirrung stürzen und zu einem „Sensory Overload“, einer Reizüberflutung, führen.

Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS), wie die Obergruppe der Erkrankung genannt wird, kann sich sehr unterschiedlich ausdrücken. Manche Erkrankten sind nur leicht eingeschränkt, während bei anderen die Betroffenen kaum aus sich herausgehen können.

Umso wichtiger ist es, den Erkrankten Perspektiven zu bieten und sie aus ihrem Schneckenhaus rauszuholen. Und genau das passiert im Puzzle Café, in dem übrigens nicht nur Autisten, sondern auch Jugendliche mit Trisomie 21 arbeiten.

Alles unter Kontrolle

Unterstützung erhält Jose Antonio und seine Familie von verschiedenen Ärzten und Sozialarbeitern, die den Jugendlichen dabei helfen, den Alltag im Café zu meistern. Dr. Anne Treichler erklärt: „Wir holen die Jugendlichen morgens ab, bringen sie zur Therapie, zur Schule oder zu sozialen Events. Unser Ziel ist es, sie voll in die Gesellschaft zu integrieren.“

Josephine de Jesus, eine Sprachtherapeutin aus Manila, erarbeitet sogenannte Konversationskarten, mit denen ihre Schüler geschult werden, wie sie mit den Gästen reden können. Sie sagt, es falle den Jugendlichen zu Beginn zwar sehr schwer, neue Vorgänge zu verarbeiten und das gewohnte kleine Umfeld zu verlassen, doch ist der Schritt gewagt und von Erfolgserlebnissen gekrönt, kommen die Jugendlichen immer mehr aus sich heraus.

Das Café ist mittlerweile nicht nur bei Familien, die selbst ein autistisches Familienmitglied haben, beliebt, sondern auch bei anderen Gästen. Und das Motto des Puzzle Cafés hat sich bewahrheitet: es ist ok, anders zu sein!