Grüner Kaffee – Abnehmwunder oder doch nur Abzocke?

Grüner Kaffee Abzocke oder Abnehmwunder

In den letzten Jahren hat sich – vor allem im Internet – ein neues, angebliches Wundermittel gegen überflüssige Pfunde wie ein Lauffeuer verbreitet: grüner Kaffee. Extrakte aus der ungerösteten Kaffeebohne werden hier meist in Kapselform angeboten und sollen zu rasantem Gewichtsverlust führen. Natürlich, wie immer beim Wundermittel, ganz ohne zusätzlichen Sport.
Doch was ist dran an den angeblichen wissenschaftlichen Studien, die beweisen sollen, wie toll grüner Kaffee wirkt? Kann man tatsächlich mit den “Zauberbohnen” auf Dauer und gesund abnehmen? Und ist das ganze auf wirklich ungefährlich?

Der Trend aus den USA

Welch Wunder, auch dieses neue Abnehm-Wunder-Pillchen wurde in den USA entwickelt – dem Land mit dem größten Fitness-Wahn und gleichzeitig mit dem massivsten Übergewichtproblem. Kein Wunder also, dass sich Fitness-Magazine und findige Internet-Verkäufer auf den Trend gestürzt haben und er so auch schon bald zu uns über den großen Teich schwappte. Dabei sind die kleinen Pillen natürlich nicht unbedingt günstig: 150 Pillen für knapp 35,- Euro und mehr soll der Spaß kosten. Und der Erfolg ruht (zumindest für jetzt noch) auf recht wackeligen Füssen, wie im Grunde fast zu erwarten war.

Der Grund dafür ist ein relativ simpler: auch wenn Kaffee eines der am besterforschten Lebensmittel sein dürfte, so wurde die gewichtsreduzierende Wirkung von grünem Kaffee bisher nur in zwei Studien untersucht – und die sind beide nur bedingt aussagefähig.

Die Universität Scranton in Pennsylvania (USA) machte einen Versuch, um die Wirksamkeit zu überprüfen. Dafür teilte sie drei Gruppen mit leicht übergewichtigen Probanden mit einem BMI (Body Mass Index) von 25 – 30 ein. Diesen wurden nun jeweils über einen Zeitraum von 6 Wochen verschieden hohe Koffeinpräparate verabreicht:

– Eine hohe Dosis grünen Kaffeeextrakts mit 1050 mg;
– Eine niedrige Dosis mit 700 mg sowie
– Ein Placebo, welches vollkommen wirkungslos ist.

Zwischen den sechs Wochen lag jeweils eine zweiwöchige Phase, in der keine Medikation verabreicht wurde.

Die Probanden durften ihre Essgewohnheiten nicht ändern und auch keinen zusätzlichen Sport treiben. Alle äußeren Umstände blieben also genauso wie immer und tatsächlich verloren die Versuchsteilnehmer mit der hohen Dosis an Gewicht. Nach dem Test kam es zu folgendem Ergebnis: durchschnittlich 8 Kilo wogen die Probanden weniger, der Körperfettanteil sank um knapp 4 % – hört sich alles ziemlich gut an, richtig?
Jetzt kommt allerdings der Haken an der Sache: An dem Versuch nahmen gerade einmal 16 Versuchspersonen teil und somiz viel zu wenig, um aus den Ergebnissen allgemeingültige Schlüsse ziehen zu können!

Die zweite Studie, welche die Wirkungen von grünem Kaffee-Extrakt genauer unter die Lupe genommen hat, wurde ironischerweise von einem amerikanischen TV-Sender namens QZ durchgeführt. Als Gäste einer Fernsehsendung nahmen diesmal gleich 100 Studiogäste über einen Zeitraum von zwei Wochen grünen Kaffee-Extrakt zu sich. Und auch diesmal verloren die Teilnehmer Gewicht, durchschnittlich ein Kilo in zwei Wochen, während bei der Testgruppe, die mit Placebos versorgt wurde, kein Gewichtsverlust zu vermelden war.

Doch auch diesmal ist das Ergebnis nicht wirklich wissenschaftlich valide, denn die Studienteilnehmer wurden dazu aufgefordert, ein Ernährungstagebuch zu führen. Und durch diese zusätzliche “Kontrollinstanz” können die Teilnehmer unbewusst mehr auf ihre Ernährung geachtet und deshalb auch Gewicht verloren haben.

Wie soll es funktionieren?

Man geht mittlerweile davon aus, dass die Chlorogensäure, die sich in den ungerösteten Kaffeebohnen reichlich findet, gewisse Enzyme hemmt, die für eine Gewichtszunahme verantwortlich sind. Die Säure blockiert die Aufnahme von Glucose im Blut und unterdrückt einen Anstieg des Blutzuckerspiegels, der zu einer Fettneubildung führen kann, so dass es zu einem Gewichtsverlust kommt (oder eher kommen kann).

Es wird erwartet, dass in nächster Zeit die Wirkung von grünem Kaffee-Extrakt höchstwahrscheinlich deutlich umfangreicheren Studien – und das über einen längeren Zeitraum – unterzogen werden wird. Bis dahin sollte man dieses Nahrungsergänzungsmittel allerdings eher kritisch beäugen.

Gibt es Nebenwirkungen?

In ungerösteten grünen Kaffeebohnen ist prinzipiell alles drin, was sich auch in unserem Kaffee findet – allerdings meist in anderen Zusammensetzungen und Mengen. Und gerade in Nahrungsergänzungsmitteln, die grünen Kaffee-Extrakt beinhalten, ist die Menge an Koffein zum Beispiel sehr hoch. Dadurch ist es nicht auszuschließen, dass es bei der Einnahme von solchen gewichtsreduzierenden Präparaten zu Herzrasen, Kreislaufschwierigkeiten oder leichtem Schwindel kommen kann.

Wie immer gilt selbstverständlich: kein “Wundermittel” der Welt kann dafür sorgen, dass wie uns in ein Model verwandeln und dabei immer noch essen können, worauf wir Lust haben. Wer wirklich dauerhaft und vor allem gesund abnehmen will, wird nicht umhin kommen, seine Ernährung bewusst zu gestalten und sich mit Sport fit zu halten. Und dann kann man nämlich auch den Kaffee in seiner eigentlichen Form, gebrüht und vielleicht sogar mit ein bisschen Zucker, genießen.

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